Geschichte

Aus der Jubiläumsschrift zum 50-jährigen Bestehen des SC Schönried 1995

Autor: Werner Raaflaub

Vorgeschichte 

Zur Vorgeschichte des Ski-Clubs Schönried gehört ohne Zweifel der Bau des Horneggli-Skilifts, der rechtzeitig vor Winterbeginn vollendet und an Weihnachten 1944 eröffnet werden konnte. Das ideale Skigebiet am Nordhang der Hornfluh erfreute sich sofort grosser Beliebtheit. Für die weit ausbreitenden und schneesicheren Hänge am Horneggli schwärmte auch der in Gstaad weilende, noch jugendliche Prinz Sadri Aga Khan, der im Herbst 1945 durch seinen Skilehrer Alfred Tochtermann für ein noch zu bestimmendes Skirennen eine grosse Zinnkanne stiftete. Damit war der „Sadri Aga Khan-Cup“ geboren. Verantwortlich für die Durchführung des Rennens konnte aber nur ein noch zu gründender Ski-Club sein. 

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Das provisorische Restaurant am Horneggli 

Gründung des Ski-Clubs 

Die Initiative zur Gründung des Ski-Clubs Schönried liess nicht lange auf sich warten. Die treibenden Kräfte dazu waren vor allem Posthalter Walter Germann, Stationsvorstand Oswald von Siebenthal und Wirt Jakob Schläppi vom Hotel Bahnhof. Unter der zielbewussten Leitung von Walter Germann, der damals dem Saaner Gemeinderat angehörte und auch den Verwaltungsrat des 

noch jungen Skiliftunternehmens präsidierte, fand die Gründungsversammlung am 25. 0ktober 1945 im Restaurant Bahnhof statt. 

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Das Hotel Bahnhof spielte in der Geschichte des Ski-Clubs zu allen Zeiten eine wichtige und zentrale Rolle. 

Erster Club-Vorstand 

An der Gründungsversammlung wurde der erste Club-Vorstand wie folgt gewählt: 

Präsident: Gottfried Wehren 

Vizepräsident: Jakob Schläppi 

Sekretär: Oswald von Siebenthal 

Kassier: Albert Welten 

Materialverwalter: Hermann Gfeller 

Beisitzer: Gottlieb Burri und Walter Germann 

Schon zehn Tage danach ersuchte der ins Leben gerufene Ski-Club bereits um Aufnahme beim Schweiz. Skiverband (SSV) in Lausanne und beim Berner Oberländischen Skiverband (BOSV), der damals vom Wengener Ernst Gertsch präsidiert wurde. 

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Dieses Bild stammt aus den Anfängen des Horneggli-Skilifts. Die Holzmasten wurden 1948 arg von Spechten beschädigt, so dass mit einem Teeranstrich Abhilfe geschaffen werden musste. 

1946 – erster Sadri-Run 

Am 3. März 1946 wird der Sadri Aga Khan-Cup zum ersten Mal durchgeführt. Der Chronist mag sich an diesen Tag, an dem einer der ersten Riesentorläufe in der Schweiz ausgetragen wurde, noch gut erinnern: „Ich war bei schönem Wetter von Gruben aus via blaue Piste gekommen und traf in den Witteren auf die Tore des weit ausgesteckten Rennens. Da es noch nicht begonnen hatte, stieg ich gegen das Eggli-Rain hinauf. Kaum bei der Sennhütte angelangt, konnte ich nun die Fahrten der Erstgestarteten verfolgen und be- 

wundern. Sie waren unweit der Bergstation gestartet und flitzten mit Schuss und langgezogenen Schwüngen an mir vorüber, um dann im Steilhang, dem schwierigsten Teil der nur wenig präparierten Strecke, wieder zu verschwinden.“ 

Das Rennen endete mit dem „Finish“ in der Waldmatte und wurde vom Gstaader Junioren Robert Gonseth in 2.56,6 vor seinen Klubkameraden Hanspeter von Siebenthal, Rudolf Müllener und Otto Brand gewonnen. 

Noch im selben Winter wurde bei der Firma Huguenin in Le Locle das erste Schönrieder Club-Abzeichen beschafft. 

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An der Versammlung vom 8. Dezember in Rougemont wird der SC Schönried in den Sarina-Skiverband aufgenommen. 

1947 

Am 9. Februar starten die SchÖnrieder erstmals für den noch jungen Ski-Club am Verbandsrennen in Saanenmöser. 

Das erstmals ausgetragene Klubrennen wird von Walter Zwahlen gewonnen, der auch die erstmals ausgetragene Tochtermann-Kanne in Empfang nehmen kann. 

1948 

Nur eine Woche nach den Olympischen Winterspielen von St. Moritz finden in Gstaad die internationalen Air France-Rennen statt. Neben Franzosen, Norwegern und Schweden geht auch ein Teil der Schweizer Nationalmannschaft am Wasseerngrat an den Start. Von letzteren dislozieren einige am Sonntagnachmittag (15. Februar) nach Schönried, um auch den Sadri-Run zu bestreiten. Der Sieg geht an den späteren Slalom-Weltmeister Georges Schneider aus La Chaux-de-Fonds. 

An der Generalversammlung vom 13. November gibt sich der SC Schönried seine ersten Statuten und zufolge Demissionen auch eine neue Leitung an der Spitze des Vorstandes. Neuer Präsident wird Flugplatzchef Karl Miiller. Das Amt des Sekretärs übernimmt Ernst Bütschi und Christian Bircher dasjenige des Kassiers. 

1949 

Neben der Organisation des Tochtermann-Rennens, dem Vorgänger des späteren Horneggli-Rennens, und dem Sadri-Run, werden regelmässig auch Skitouren unternommen, so aufs Hugeli, Wistätthorn und Wildhorn. 

1950 

Am Verbandsrennen in Gsteig wird Otto Brand für den SC Schönried Sarinameister. 

1951 

Das Tochtermann-Rennen figuriert erstmals im Terminkalender und wird als „Horneggli-Rennen“ durchgführt. Hinter dem Sieger Gottfried Ginggen belegt Kurt Glur den zweiten Platz. 

Vom Müro-Werk Müller-Roggli AG in Thun wird der erste Klubpullover angeschafft. Kosten Fr. 41.50 pro StÜck. 

1952 

Am Horneggli-Rennen ist Christian Bircher der beste Schönrieder und steht hinter dem Sieger Ernst Brechbühl auf dem Ehrenplatz. 

1953 

Am 8. Februar, eine Woche nach dem Sadri-Run, kann Schönried zum ersten Mal das Verbandsrennen durchführen. Die Abfahrt führt vom Nordhang der Hornfluh via Horefang und Wittere zum Ziel in der Waldmatte, wo am Nachmittag auch das Slalomziel steht. Sarinameister wird Werner Raaflaub, damals füir den SC Gstaad startend, und der SC Lauenen gewinnt das Klubklassement. 

1954 

Hauptanlass des Ski-Clubs ist nach wie vor der Sadri-Run, der von Jahr zu Jahr einer umfangreicheren Orgasation bedarf. Der Samariterverein Übernimmt den Sanitätsdienst und Radio Feuz die Installation der Lautsprecheranlage. Als Preis werden Holzteller, bemalt von Kunstmaler Jacques Gasser, abgegeben. 

Der weit herum bekannte Sadri-Run wird am 31. Januar nach 1951 und 1953 zum dritten Mal vom Lauener Simon Addor gewonnen. Da der Wanderpreis im Hotel Bahnhof (Klublokal) bleiben muss, wird ihm einige Zeit später eine kleinere Zinnkanne als bleibender Preis ausgehändigt. 

1955 

Voller Erfolg der Schönrieder am Rinderberg-Derby in Zweisimmen. Olgi Schläppi gewinnt wie im Vorjahr bei den Damen und Jürg Stämpfli ist Sieger der auf dem Gipfel gestarteten Rennklasse. Von 13 teilnehmenden Schönriedern können zwölf eine Auszeichnung nach Hause nehmen. Dazu der zweite Platz im Mannschaftsklassement. 

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Derby-Sieger Jürg Stämpfli, Damen-Siegerin Olgi Schläppi sowie Werner Raaflaub (Bestzeit vom Ostgrat)

1956 

Kurt Glur, Gerhard Reuteler und Jürg Stämpfli nehmen mit unterschiedlichem Erfolg am Oberländischen in Kandersteg teil. Beim Horneggli-Rennen hingegen setzen sich Olgi Schläppi und Kurt Glur wie zwei Jahre zuvor an die Spitze der Rangliste. 

1957 

Am 10. Oktober beschliesst der Vorstand dass dem Kassier und dem Sekretär für ihre Bemühungen eine Entschädigung von zusammen vier Prozent der Einnahmen oder mindestens 100 Franken ausgerichtet wird. 

Am 14./15. Dezember findet am Horneggli ein Abfahrtsund Slalomkurs des BOSV statt. Zwei Wochen später wird am beleuchteten Slalomhang in „Birchers Weidli“ der erste Schönrieder Nachtslalom ausgetragen; er endet mit dem Sieg des einheimischen Juniorens Gottfried Griessen. 

1958 

Am 2. Februar gewinnt der Wengener Fritz Gertsch zum dritten aufeinanderfolgenden Male den begehrten Sadri Aga Khan-Cup. An Stelle des Original-Wanderpreises wird ihm eine genau gleiche Zinnkanne (Replika) abgegeben. 

Am folgenden Sonntag (9. Februar) zieht sich Rolf Burri beim Rinderberg-Derby schwere Verletzungen zu. 

Er stirbt anschliessend im Spital an den Folgen einer Embolie. Mit Rücksicht auf diesen erschütternden Todesfall verzichtet der SC Schönried am nächsten Wochenende auf die Teilnahme am Verbandsrennen in Saanen und auf die Organisation eines Clubrennens. 

Am 22. November beschliesst die Generalversammlung, zwecks Verkleinerung des Unfallrisikos, jedem Rennfahrer einen Beitrag von 20 Franken zur Anschaffung einer Sicherheitsbindung auszurichten. 

Beim 2. Nachtslalom am 27. Dezember belegen Gottfried Aegerter und Werner Raaflaub die beiden ersten Plätze. 

1959 

Unabhängig vom Ski-Club haben einige Schönrieder zusammen mit Jürg Stämpfli das Sie + Er-Rennen ins Leben gerufen. Es steht allen Nichtlizenzierten offen und soll in erster Linie der Kameradschaft zwischen den Schönrieder Gästen und den einheimischen Teil- 

nehmern dienen. Als Wanderpreis wird kurzerhand ein zu später Stunde in der Ermitage-Bar „geklauter“ Champagner-Kübel benutzt und fortan als „Challenge Ermitage“ bezeichnet mit zur Tradition gewordenen Austragung stets am 2. Januar (Berchtoldstag). 

Beim Verbandsrennen in Gsteig wird Werner Raaflaub trotz Sturz in der durch enge Waldpartien führenden Abfahrt vom Topfel zum zweiten Mal Sarinameister. 

Der Ski-Club beantragt beim SSV, dass die Versicherungssummen bei Unfalltod oder Invalidität der lizenzierten Fahrer erhöht werden. 

Der Horneggli-Skilift wird in eine kombinierte Bahn (Skilift/Sesselbahn im Sommer) umgebaut. 

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1960 

Totaler Erfolg der Schönrieder am 21. Februar beim Verbands rennen in Rougemont. Mit Alfred Hauswirth (Sarinameister), Gottfried Griessen, Walter Zwahlen, Werner Raaflaub und Alfred von Grünigen belegt der SC Schönried die ersten fünf Plätze in der Kombination und gewinnt dadurch haushoch das Klubklassement. Eine Woche später sind die SchÖnrieder auch Mannschaftssieger am Bigler-Derby mit Walter Zwahlen als Einzelsieger.